Schiewerädli-Schießen

Schiewerädli-Schießen

Der Name “Scheibenköpfle” – eine Erhebung auf der linken Seite des Ohlsbachtales, kommt nicht von ungefähr. Er hat den Namen von einem alten Brauch, eben des Scheibenschießens. Heute findet aber das Schiewerädlischießen auf der “Hardeck”, unmittelbar über dem Ortskern statt.

Viele Vorbereitungen müssen die Rekruten treffen, ehe sie den Holzstoß am Fasend-Sunndigabend entfachen und die glühenden Scheiben – kleine Sonnen – als Segensbringer für die Benannten über den Rain schleudern können.

Schon das Sammeln des Holzes für den zu errichtenden Holzstoß ist eine interessante Gepflogenheit. Es ist ein alter Heischbrauch. Hier sind es Reisigwellen und Prügel die von der Dorfgemeinschaft “geheischt”, verlangt oder erbeten werden. Jeder Dorfgenosse soll etwas dazu beitragen, wenn Glück und Segen – wohl auf eine alte Art – für das Dorf und seine Bewohner “erfleht” werden. Die Rädchen werden von Meterrollen abgesägt, nachdem man zuvor eine Durchbohrung vorgenommen hat; denn die Scheiben müssen Löcher zum Aufspießen besitzen. Auch die Wurfgerten müssen im Walde geschlagen und am oberen Ende, etwa 30 Zentimeter entfernt, mit einem Nagelkreuz versehen werden, damit die Scheibe beim Aufspießen nicht abrutschen kann und einen guten Halt beim Schwingen vor dem Abwurf hat. Wenn die Abenddämmerung hereingebrochen ist, wird der Holzstoß entzündet.
Weithin ist das “Scheibenfeuer” sichtbar. Eine Anzahl Kränze, mit je 25 Scheiben, werden im Feuer zum Anbrennen gebracht. Doch bevor das Schießen beginnt, bilden die Rekruten, die Wurfgerten in der Hand haben, einen Kreis um das Feuer und beten um ein gutes Gelingen. Jetzt werden die Ehrenscheiben geworfen.

Die erste gilt dem Pfarrer, die zweite dem Bürgermeister und die dritte Scheibe den Lehrern. Dann schießen alle eine Scheibe für die Dorfgemeinschaft, danach folgt der eigene Jahrgang, bevor für die Fasend Verantwortlichen, die vorherigen und folgenden Jahrgänge eine Scheibe fliegt. Nun beginnt das Werfen in bunter Reihe. Jeweils erfolgt die Ankündigung:

“Es fliegt eine Scheibe wohl über dem Rain”. Dann die Frage : “Wem soll sie sein?”
Alsbald antwortet der Werfer mit dem Namen der zu ehrenden Person. Dass die Dorfschönen “lustern” und die Häufigkeit ihrer Namensnennung als Zeichen der Wertschätzung werten, sei nur am Rande vermerkt. Es ist eine hohe Ehre, eine Scheibe, also einen Segenswunsch, zugeeignet zu bekommen.

 

Gedicht zum Schiewerädlischießen

Es knistert ein Feuer auf nächtlichem Berge
gewaltig genährt mit üppigem Holz.
Es rufen Rekruten bei nächtlichem Werke
hinaus in die Runde mit Freude und Stolz:
Schiewerädli, feuriges Rädli
Glück und Segen unsere Mädli.
Glück und Segen alle Litt
dies in unserem Dorfe gitt!

 

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